Gerhard Richters Tante Marianne

 

Gerhard Richter – heute ein weltbekannter Dresdner Künstler – war vier Monate alt, als er im Sommer 1932 im Arm seiner damals 14-jährigen Tante Marianne für das Familienalbum fotografiert wurde.
33 Jahre später nutzte der 1961 in den Westen geflohene Richter dieses Schwarz-Weiß-Foto, vergrößerte es auf die Maße 110 x 115 cm, „zermalte“ es in seiner typischen Verwisch-Optik und machte seine Tante Marianne damit unsterblich. Zu diesem Zeitpunkt war die junge Frau allerdings bereits längst tot: Sie war im Rahmen des NS-„Euthanasie“-Programms am 16. Februar 1945 ermordet worden. „Gerhard Richters Tante Marianne“ weiterlesen

Aus Polen verbannt: Die italienische Auschwitz-Gedenkstätte

Das renommierte Mailänder Architekturbüro BBPR schuf 1980 im Auftrag der italienischen Deportiertenvereinigung ANED in Block 21 des ehemaligen KZ Auschwitz eine – durch Texte von Primo Levi, Musik von Luigi Nono und Gemälden von Pupino Samonà – ungemein beeindruckende Gedenkstätte. Dreißig Jahre später entsprach das Werk nicht mehr der Gedenkstättenkonzeption der polnischen Regierung und musste, um der Zerstörung zuvorzukommen, abgebaut und rückgeholt werden. In Florenz wurde die italienische Auschwitz-Gedenkstätte nun wieder aufgebaut.

il Memoriale italiano di Auschwitz - die italienische Auschwitz-Gedenkstätte, jetzt in Florenz - Foto: © Sabine Bade
il Memoriale italiano di Auschwitz – die italienische Auschwitz-Gedenkstätte, jetzt in Florenz – Foto: © Sabine Bade

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Das Mailänder Architekturbüro BBPR

 

Im Januar 2017 wurden in Mailand die ersten sechs Stolpersteine verlegt, einer davon für den Architekten und Stadtplaner Gian Luigi Banfi (1910-1945). Er war im März 1944 als Mitglied der antifaschistischen Widerstandsbewegung Giustizia & Libertà verhaftet und von den deutschen Besatzern über das Durchgangslager Fossoli in das Konzentrationslager Mauthausen deportiert worden. Dort starb er im Nebenlager Gusen – kurz vor der Befreiung des Lagers – am 10. April 1945 an völliger Entkräftigung. Verlegt wurde der Gian Luigi Banfi gewidmete Stolperstein in der Mailäner Via dei Chiostri vor dem Gebäude, in dem das von ihm mitgegründete Mailänder Architekturbüro BBPR seinen Sitz hatte. „Das Mailänder Architekturbüro BBPR“ weiterlesen

Auch in Konstanz: Todesurteile während der NS-Zeit

 Zwischen 1941 und 1944 wurden bei Sitzungen des Strafsenats des Oberlandesgerichts (OLG) Stuttgart und des Sondergerichts Freiburg in Konstanz fünf Todesurteile gefälllt: Leo Bohnenstengel, Bronislaw Heymann, Gustav Strohmaier, Anton Bechinger und Karl Weber wurden hier von NS-Juristen – die durchaus einen Ermessensspielraum hatten – wegen „Zersetzung der Wehrmacht“ oder als „Volksschädlinge“ zum Tode verurteilt. Ihrer „verdienten Strafe zugeführt“, starben sie kurz darauf in Stuttgart oder Bruchsal unter dem Fallbeil. „Auch in Konstanz: Todesurteile während der NS-Zeit“ weiterlesen

Ernstfall Frieden

In seinem Buch „Ernstfall Frieden“ nimmt der Militärhistoriker und Friedensforscher Wolfram Wette ein ganzes Jahrhundert vergleichend in den Blick. Er dokumentiert, was dran ist an dem Märchen, dass Kriege unausweichlich wie Naturkatastrophen über uns hereinbrechen und wie Gottesgerichte erlitten werden müssen. Damit liefert er aus Konstanzer Sicht ganz nebenbei auch beste Argumente dafür, dass es längst nicht genügt, Paul von Hindenburg lediglich die Ehrenbürgerwürde aberkannt zu haben. Schließlich ist Hitler 1933 nicht vom Himmel gefallen. „Ernstfall Frieden“ weiterlesen

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